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Reine assoziative taktile Agnosie für die linke Hand: klinische und anatomofunktionale Korrelationen

Assoziative taktile Agnosie (TA) ist definiert als die Unfähigkeit, Informationen über sensorische Eigenschaften von Objekten, die durch taktile Modalität abgeleitet wurden, mit zuvor erworbenem Wissen über Objektidentität zu verknüpfen. Die Beeinträchtigung wird häufig nach einer Läsion des parietalen Kortex beschrieben (Caselli, 1997; Platz, 1996). Wir berichten über den Fall von SA, einem rechtshändigen 61-jährigen Mann, der vom ersten hämorrhagischen Schlaganfall der rechten Hemisphäre betroffen ist. Eine Magnetresonanztomographie des Gehirns (MRT) bestätigte das Vorhandensein einer rechten subakuten hämorrhagischen Läsion, die auf die postzentralen und supra-marginalen Gyri beschränkt war. Eine umfassende neuropsychologische Untersuchung ergab eine selektive Unfähigkeit, Objekte zu benennen, wenn sie ohne andere kognitive Defizite mit der linken Hand gehandhabt wurden. Eine Reihe von Experimenten wurde durchgeführt, um jede Stufe der taktilen Erkennungsverarbeitung mit denselben Stimulussätzen zu bewerten: Materialien, geometrische 3D-Formen, reale Objekte und Buchstaben. SA und sieben aufeinander abgestimmte Kontrollen unterzogen sich den gleichen experimentellen Aufgaben während vier Sitzungen an aufeinanderfolgenden Tagen. Taktile Diskriminierung, Erkennung, Pantomime, Zeichnen nach haptischer Erkundung außerhalb des Sehvermögens und taktil-visuelle Anpassungsfähigkeiten wurden bewertet. Darüber hinaus suchten wir nach einer supra-modalen Beeinträchtigung der räumlichen Wahrnehmung und nach spezifischen Schwierigkeiten bei der Programmierung von Erkundungsbewegungen während des Erkennens. Die taktile Unterscheidung war für alle getesteten Reize intakt. Im Gegensatz dazu war SA in der Lage, reale Objekte, die mit der linken Hand aus dem Blickfeld manipuliert wurden, weder zu erkennen noch zu pantomimen, während er sie ohne zu zögern mit der rechten Hand identifizierte. Taktil-visuelles Matching war intakt. Darüber hinaus war SA in der Lage, die globale Form in Zeichnungen grob zu reproduzieren, konnte jedoch nach der Manipulation mit der linken Hand keine Details von Objekten extrahieren, und er konnte Objekte nach dem Betrachten seiner eigenen Zeichnungen nicht identifizieren. Dieser Fall bestätigt die Existenz selektiver assoziativer TA als linksspezifisches Defizit beim Erkennen von Objekten. Dieses Defizit hängt nicht mit der räumlichen Wahrnehmung oder der Programmierung von Erkundungsbewegungen zusammen. Die modalübergreifende Informationsübertragung über die visuelle Wahrnehmung ermöglicht die Aktivierung eines teilweise degradierten Bildes, das allein keine ordnungsgemäße Erkennung des anfänglichen taktilen Reizes ermöglicht.

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